Africa 360°-Blog: Unterwegs | Flugtag II: Murcia — Essaouira Teil II

Nach elen­dig lan­gen drei Stun­den des War­tens, Her­um­ren­nens und Debat­tie­rens war es dann end­lich soweit – die Aus­rei­se für unse­ren Flug vom Aero­pu­er­to de la Región de Mur­cia zum Flug­ha­fen von Essaoui­ra am West­at­lan­tik in Marok­ko stand kurz bevor – ja, wenn denn Poli­zei und Zoll end­lich kom­men wür­den.

Kurz vor dem Abflug in Murcia — Afrika, wir kommen!

Inzwi­schen waren wir das War­ten und herz­li­che Plau­schen schon gewohnt und hat­ten deut­sches Effi­zi­enz­den­ken längst abge­legt – in den kom­men­den Wochen in Afri­ka wür­de alles solan­ge dau­ern, wie es dau­ert. Ein durch­aus span­nen­des und unge­wohn­tes Gefühl – aber irgend­wie auch befrei­end?
Nach 20 Minu­ten kamen die freund­li­chen Beam­ten nun schließ­lich zur Kon­trol­le. Das Gepäck wur­de durch­leuch­tet, die Päs­se ange­se­hen und los ging es. Ab in den Klein­bus über das voll­kom­men Lee­re Vor­feld (wofür genau braucht man an die­sem Air­port einen Slot?), 30 Meter spä­ter anhal­ten – und ta-da, da stand die Beech, schön wie eh und je war­te­te sie unge­dul­dig, nun end­lich euro­päi­schen Boden ver­las­sen und nach Afri­ka flie­gen zu dür­fen.
Wir ver­stau­ten das Gepäck, gin­gen noch ein­mal die Weight & Balan­ce Berech­nung durch und stell­ten fest, dass auch bei 40° Hit­ze und maxi­ma­ler Abflug­mas­se die 3 km lan­ge Pis­te soeben aus­rei­chen wür­de. Der Wind kam in unse­rer Flug­flä­che (130) mit 35 Kno­ten recht üppig daher, zu allem Über­fluss „direkt auf der Nase“ (Gegen­wind). Für die 1.200 km lan­ge Stre­cke wür­den wir, bedingt durch den Gegen­wind, ca. 4,5 Stun­den brau­chen.
Ent­ge­gen der ursprüng­li­chen Pla­nung ent­schie­den wir uns, die Rou­te St. Exu­perys nur bis Alme­ria zu fol­gen und bereits dann den Sprung über das Mit­tel­meer zu wagen, um schließ­lich über dem ALM VOR (Al Hoci­ma, Marok­ko) afri­ka­ni­schen Boden unter dem ein­ge­fah­re­nen Fahr­werk zu spü­ren.
Unser IFR-Rou­ting lau­te­te daher wie folgt: DINCO1L DINCO B112 AMR G850 MAK B11 MAGAV
Über­setzt: nach dem Start in Mur­cia soll­te der DINCO1L Depar­tu­re gefolgt wer­den um anschlie­ßend Kurs auf Alme­ria zu neh­men. Dort wür­den wir abbie­gen Rich­tung marok­ka­ni­schem Fest­land, wel­ches wir in Al Hoci­ma errei­chen wür­den. Das Rif Gebir­ge unter uns las­send gin­ge es wei­ter Rich­tung Fes und Mar­ra­kesch, den Hohen Atlas nun unmit­tel­bar vor uns. Ab Mar­ra­kesch wür­den wir einen nahe­zu west­li­chen Kurs „ein­schla­gen“ und Kurs auf den Atlan­tik neh­men, mit anschlie­ßen­dem Anflug eines VOR-Approachs der uns zur Pis­te 34 des Eas­sau­i­ra Moga­dor Inter­na­tio­nal Air­ports füh­ren wür­de.
So weit so gut.
Ein net­tes Detail offen­bart sich beim genaue­ren Stu­di­um der der SIDs: bis FL85 ist ein Mini­mum Climb Gra­di­ent von 5% ein­zu­hal­ten – wer jetzt bei 40° Cel­si­us im Schat­ten das Rech­nen anfängt, ist etwas spät dran – ich hat­te mir im Vor­hin­ein die­ser Rei­se alle An- und Abflü­ge der anzu­flie­gen­den Flug­plät­ze im Detail ange­se­hen und den Rechen­schie­ber glü­hen las­sen – die 5% wür­den wir auch unter heu­ti­gen Bedin­gun­gen schaf­fen.
Also, nun ging es end­lich rein in den Flie­ger – lei­der. Denn mit der ange­leg­ten Sicher­heits­rüs­tung bestehend aus leich­tem Tro­cken­an­zug, Ret­tungs­in­sel, Schwimm­wes­te und einem was­ser­dich­ten Beu­tel um den Hals, der neben Leucht­mit­tel außer­dem ein PLB, Ret­tungs­mes­ser und Pro­vi­ant ent­hielt, fühl­te sich die Beech nicht gar so bequem an, wie wir es sonst gewohnt sind. Den­noch, wir wür­den 45 Minu­ten über das Mit­tel­meer flie­gen und im Fal­le des Fal­les wol­len wir für eine etwai­ge Lan­dung auf dem Was­ser gerüs­tet sein – da sind die 50° im Cock­pit zwar nicht hilf­reich, aber nichts zu ändern.
Die Hit­ze im Cock­pit muss wohl auch der Grund gewe­sen sein, dass wir die Cock­pit­tür nicht rich­tig ver­schlos­sen hat­ten – denn bei 65 Kno­ten im Start­lauf, also kurz bevor die Räder den Boden ver­las­sen gab es ein tosen­des „Wusch“… — Beeck-Jockeys wis­sen, was pas­siert ist. Wenn man beim Schlie­ßen der Tür nicht pein­lichst genau auf das rich­tig Pro­ze­de­re ach­tet, pas­siert genau das – im Start­lauf springt die Tür einen Spalt­weit auf und mit einem Schlag ist Par­ty­stim­mung. Nun heißt es Ruhe bewah­ren. Die­ser Vor­fall ist, bei rich­ti­gem Han­deln, nicht kri­tisch. Rich­tig han­deln heißt: öff­net sich die Türe im Start­lauf, ist das Gas raus­zu­neh­men und die Tür zu schlie­ßen. Pas­siert das gan­ze wäh­rend des Abhe­bens, kann man jetzt nur einen Feh­ler machen – der durch­aus töd­li­che Fol­gen haben kann – ver­su­chen, die Tür im Start­lauf zu schlie­ßen, dabei das Flie­gen zu ver­ges­sen, in einen über­zo­ge­nen Flug­zu­stand in Boden­nä­he zu kom­men und schließ­lich unsanft zu lan­den…
Wir ent­schie­den uns glück­li­cher­wei­se für die ers­te Opti­on, roll­ten mit leicht geöff­ne­ter Tür von der Bahn und mach­ten anschlie­ßend Start­ver­such Nr. 2.
Ach ja, aus der DINCO1L Depar­tu­re wur­de zwi­schen­zeit­lich die DINCO1S Depar­tu­re — noch ein­fa­cher. Dem Radi­al 221 MUR bis 16 Mei­len MUR fol­gen, anschlie­ßend dem 18 NM DME ARC MUR fol­gen bis das Radi­al 201 MUR ein­läuft und schließ­lich Radi­al 194 MUR bis nach DINCO fol­gen. Soweit die Theo­rie.

Die Pra­xis sah nun so aus: nach dem Start wech­sel­ten wir zügig auf die Approach Fre­quenz – dort hat­te man wäh­rend der Sies­ta offen­bar wenig Lust auf uns und wir erhiel­ten ein ziem­lich genu­schel­tes und mür­ri­sches „D-EXXX, climb FL80, con­tact Sevil­la Con­troll“. Das war’s. Und wer schon ein­mal ein biss­chen in Spa­ni­en geflo­gen ist der weiß – in den nächs­ten Minu­ten wird nur eines herr­schen, näm­lich Funk­stil­le. Mit Fun­ken auf Eng­lisch haben es die lie­ben spa­ni­schen Con­trol­ler nicht so sehr, sei es nun VFR oder IFRVFR ist es noch um eini­ges schlim­mer. Aber dazu spä­ter mehr.
Wir rie­fen Sevil­la Con­trol, bzw. ver­such­ten wir es – nichts, kei­ne Ant­wort. Auch ein Wech­sel zurück auf die Approach Fre­quenz brach­te kei­ne Bes­se­rung. Wir ver­such­ten noch ver­schie­de­ne wei­te­re Fre­quen­zen und genos­sen anschlie­ßend ein­fach dem regel­mä­ßi­gen Ein­schie­ßen des Sauer­stoffs ver­ur­sacht durch die Moun­tain-High Sauer­stoff­an­la­ge zuzu­hö­ren.
In regel­mä­ßi­gen Abstän­den ver­such­ten wir Sevil­la Con­trol zu errei­chen und end­lich, ca. 40 NM vor dem Alme­ria VOR war es dann end­lich soweit – Sevil­la Con­trol sprach mit uns, durch­aus freund­lich, wie ich anmer­ken muss. Die Freu­de währ­te nicht lan­ge, denn sofort gab man uns an Sevil­la Approach wei­ter…, die, man ahnt es, nicht mit uns spre­chen woll­ten. Zunächst.., irgend­wann dann doch, um uns mit­zu­tei­len, dass wir doch bes­ser mit Sevil­la Con­trol Kon­takt auf­neh­men soll­ten.
Der Beech mach­te all das nichts aus. Unbe­irrt klet­ter­te sie freu­dig auf Flug­flä­che 130 und wir genos­sen unter uns das herr­li­che Pan­ora­ma. Zu unser Lin­ken glit­zer­te dun­kel­blau das Mit­tel­meer, rechts von uns ragen die beein­dru­cken­den Ber­ge empor, vor uns ein wei­ßes Meer aus mit pla­nen abge­deck­ten Fel­dern – sur­re­al.

Die “weißen Felder” Almerias aus Flugfläche 130

Das Alme­ria VOR errei­chend bogen wir nun nach Süden ab mit direk­tem Kurs auf den afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent. Der Funk­kon­takt zu Sevil­la Con­trol hat­te sich nun sta­bi­li­siert und so nutz­te ich die Gunst der Stun­de und frag­te schon mal nach der nächs­ten Fre­quenz – nur für den unwahr­schein­li­chen Fall, dass die spa­ni­sche ATC mal kei­ne Lust haben soll­te, mit uns zu reden 
Die­se Stra­te­gie behiel­ten wir übri­gens die anschlie­ßen­den 15.000 Kilo­me­ter sto­isch bei – direkt nach dem Fre­quen­zwech­sel erfrag­ten wir bei ATC die nächs­te zu ras­ten­de Fre­quenz, selbst dann, wenn noch vie­le Nau­ti­sche Mei­len mit einem Verb­bleib auf der aktu­el­len Fre­quenz zu rech­nen war.
Ein Pro­ze­de­re, das uns vie­le Male gute Diens­te erwei­sen soll­te.
Nun denn, wir setz­ten unse­ren Flug Rich­tung des afri­ka­ni­schen Kon­ti­nents unbe­irrt fort. Inzwi­schen befan­den wir uns etwa auf der Hälf­te zwi­schen Euro­pa und Afri­ka und somit direkt über dem Mit­tel­meer. Weder das afri­ka­ni­sche noch das euro­päi­sche Fest­land war in Sicht­wei­te – unter uns nichts als blau­es, küh­les Nass.
Sei­dig weich glitt die Beech dahin, wir lie­ßen die Gedan­ken und den Blick schwei­fen, such­ten nach Schif­fen und Tan­kern, die wir im Fal­le einer Not­lan­dung auf dem Was­ser ansteu­ern wür­den. Glück­li­cher­wei­se ver­keh­ren zwi­schen Spa­ni­en und Marok­ko derer recht vie­le.

Zwischen dem europäischen und marokkanischen Festland ist reger Schiffsverkehr auszumachen.

D-EXXX, Casa Con­trol, how do you read“. Ah, end­lich. Wir waren im Geschäft. „Casa“, jetzt ver­stand ich, war die Abkür­zung für Casa­blan­ca – bei den mit­ge­hör­ten Funk­sprü­chen konn­te ich mir zunächst kei­nen Reim dar­aus machen, jetzt aber war es klar. Ok, end­lich, wir waren ange­kom­men, zumin­dest im marok­ka­ni­schen Luft­raum. Es fühl­te sich auf­re­gend, aber gut an.
Unbe­irrt setz­ten wir unse­ren Weg Rich­tung Afri­ka fort. Im Äther herrsch­te recht reger Funk­ver­kehr und vie­le auch kom­mer­zi­el­le Pilo­ten hat­ten Schwie­rig­kei­ten die sehr schnell und barsch spre­chen­de marok­ka­ni­sche Con­trol­lerin zu ver­ste­hen. Wir indes hat­ten nicht viel zu tun, als unse­rem Kurs Rich­tung Al Hoci­ma VOR zu fol­gen.
Und tat­säch­lich… es war soweit – Afri­ka lag vor uns. Aus dem Dunst her­aus schäl­te sich zunächst dif­fus, dann jedoch immer deut­li­cher wer­dend, die Küs­te Marok­kos her­aus, direkt dahin­ter das uner­war­tet hohe Rif-Gebir­ge. Auf­ge­regt schau­ten wir uns an und waren stolz dar­auf, es bis hier­hin geschafft zu haben. Knapp 2.000 Kilo­me­ter waren wir bis­lang geflo­gen – bei dem Gedan­ken, dass wei­te­re 15.000 km noch vor uns lagen, fühl­ten wir uns klein und gerie­ten in eine Pha­se melan­cho­li­schen Schwei­gens.
Unse­re Bli­cke kleb­ten förm­lich an der unwirk­lich erschei­nen­den Sze­ne­rie unter uns. Stei­le Gebirgs­schluch­ten des Rif-Gebir­ges, hin­ter uns das blaue Mit­tel­meer, in der Fer­ne stie­gen bereits die Höhen des Mitt­le­ren Atlas empor, ab und tauch­ten ver­las­sen wir­ken­de Berg­dör­fer vor uns auf und ver­schwan­den im Blick­feld sowie aus unse­ren Gedan­ken. Ein Gedan­ke jedoch mani­fes­tier­te sich: eine Außen­lan­dung über fast 100 NM Mei­len wäre in die­sem Teil Marok­kos nahe­zu aus­sicht­los und ohne Chan­ce…

Nach 45 minütigem Flug über das offene Meer erreichen wir den afrikanischen Kontinent bei Al Hocima in Marokko.

D-EXXX. Turn 10° to the right“. Ah, es gab mal wie­der etwas zu tun. Die Rück­kehr auf den Initi­al-Track war erst auf Nach­fra­ge mög­lich, gefolgt von einem 225 NM Direct nach Mar­ra­kesch. Cool! Das hieß, dass der Arbeits­auf­wand für die nächs­ten 1,5 Stun­den ver­gleichs­wei­se gering aus­fal­len wür­de. Genü­gend Zeit also, die Aus­sicht zu genie­ßen, dem Funk zuzu­hö­ren und immer mal wie­der den Sauer­stoff­ge­halt mit dem Puls­oxi­me­ter zu über­prü­fen – 97%, die Sauer­stoff­an­la­ge tat das, wofür wir sie gekauft hat­ten – uns am Leben erhal­ten.
Wir sogen die wun­der­vol­le Land­schaft unter uns auf, knips­ten unzäh­li­ge Fotos und mach­ten zig Vide­os. Dank Satel­li­ten-Modem via Iri­di­um war es uns eben­falls mög­lich, SMS und Emails bequem über das Tablet zu ver­sen­den. Die Fami­lie war froh, ein Lebens­zei­chen von uns zu erhal­ten und so ging die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit­tels moder­ner Tech­nik über den wirt­schaft­lich armen Gegen­den Marok­kos hin und her. Welch Gegen­sät­ze, ging es uns durch den Kopf.
Ohne groß­ar­tig dar­über nach­zu­den­ken check­te ich 1,5 Stun­den vor der geplan­ten Lan­dung das Wet­ter für Marok­ko. Ich woll­te aus­pro­bie­ren, wie die Wet­ter App von ADL Gol­ze in Zusam­men­ar­beit mit dem Iri­di­um Go funk­tio­nier­te. Das Iri­di­um Go fun­giert als Modem und ermög­lich so den Wet­ter­ab­ruf bequem über die ADL-App. Radar, Wind, Blitz und wei­te­re Vor­her­sa­ge­pro­duk­te sind ver­füg­bar, eben­so wie TAFs und METARs – und genau jener berei­te­te mir „etwas“ Unbe­ha­gen.
Im mor­gend­li­chen Brie­fing lau­te­te der TAF vom Ziel­flug­ha­fen in Essaoui­ra: 040008KT 8000 SCT026. Also voll­kom­men unpro­ble­ma­tisch.
Der nun über Sat­teli­ten­in­ter­net abge­ru­fe­ne METAR hin­ge­gen lau­te­te: 03026ktG35 330V050.
Ein böi­ger Wind aus wech­seln­der Rich­tung mit knapp 70 km/h in Böen – kei­ne wirk­lich tol­len Aus­sich­ten. Ich spiel­te die ver­schie­de­nen Wind­rich­tun­gen durch und berech­ne­te die jewei­li­ge Sei­ten­wind­kom­po­nen­te. Im schlech­tes­ten Fall wür­de ich mit über 30 Kno­ten böi­gem Sei­ten­wind, hef­ti­gen ther­mi­schen Ablö­sun­gen und „Grü­ßen“ der den Flug­ha­fen von Essaoui­ra umge­ben­den Ber­gen kämp­fen dür­fen. Tol­le Aus­sich­ten!

Das Rif-Gebirge (Marokko)

Nun denn, es war nicht zu ändern. Wir waren hier oben und lan­den müss­ten wir irgend­wann sowie­so. Und dank der früh­zei­ti­gen Erkennt­nis des zu erwar­ten­den (geän­der­ten) Wet­ters war noch genü­gend Zeit, eine siche­re Stra­te­gie zu ent­wi­ckeln. Ein erneu­ter Wet­ter­ab­ruf über Iri­di­um gab die Gewiss­heit, dass der Alter­na­te Flug­ha­fen von Aga­dir wesent­lich bes­se­re Wind­be­din­gun­gen mel­de­te und eine siche­re Lan­dung dort in jedem Fall mög­lich wäre. Wir wür­den also zwei Anflü­ge in Essa ver­su­chen und ggfs. nach Aga­dir aus­wei­chen, sofern eine siche­re Lan­dung in Essa nicht mög­lich wäre. Und sicher hie­ße in die­sem Fall. Kein lan­ges Aus­schwe­ben, son­dern die Maschi­ne zügig und „deut­lich“ zu Boden brin­gen. Es wür­de hier nicht um eine „Bil­der­buch­lan­dung“ mit but­ter­wei­chem Auf­set­zen gehen, son­dern dar­um, den Flie­ger und uns hei­le run­ter­zu­be­kom­men. Ein­mal mehr war ich froh dar­über, einer extrem soli­den Beech F33A zu sit­zen, aus­ge­stat­tet mit einem Fahr­werk, das die um meh­re­re hun­dert Kilo schwe­re­re Beech Baron trägt.
Die­ter Schmitt wird sei­ne Grün­de gehabt haben, wes­halb er in den 70 und 80 er Jah­ren sei­ne Rekord­flü­ge über den Atlan­tik, nachts, bei Sturm und Gewit­ter, mit der F33A mach­te.
Gedan­ken­ver­lo­ren genos­sen wir die Ruhe…, stell­ten dann aber fest, dass die­se nun unge­wöhn­lich lan­ge anhielt. Unse­re Ein­schät­zung schien offen­bar auch die marok­ka­ni­sche Flug­si­che­rung zu tei­len, denn kur­ze Zeit spä­ter erhiel­ten wir einen „Anruf“ mit­tels Relais von einer sich über uns befind­li­chen Maschi­ne der Luft­han­sa – wir mögen doch bit­te Casa Con­trol auf der 126.1 rufen. Gesagt, getan und schwupps, hat­ten wir wie­der Emp­fang. Waren wir also doch nicht ganz allein, scha­de 
Lang­sam aber sicher näher­ten wir uns dem Ziel. Unter uns wur­de die Land­schaft nun fla­cher und begann zum Meer hin abzu­fal­len. Links von uns erhob sich mit 4167 Metern noch immer majes­tä­tisch das Atlas­ge­bir­ge, durch­aus bedroh­lich und Angst ein­flö­ßend.

In der Ferne erhebt sich majestätisch der Hohe Atlas

Marrakesch!

Zeit, den VOR-A-Anflug auf Essa GMMI zu brie­fen. Auf­fäl­lig hier­bei ist vor allem eine MSA von 7400 Fuß im Süd-Ost-Sek­tor – in schlech­tem Wet­ter soll­te man hier wirk­lich zei­tig genug in den End­an­flug auf die Pis­te 34 ein­dre­hen, sonst wird es unge­müt­lich. Mit schlech­tem Wet­ter, abge­se­hen von Wind und ther­mi­scher Tur­bu­lenz, soll­ten wir nicht all­zu viel zu tun haben.
Wie erwar­tet, mach­te ATC kei­ner­lei Anstal­ten unse­ren Sink­flug ein­zu­lei­ten – also gaben wir einen klei­nen Hin­weis, dass wir nun für den Sink­flug bereit sei­en – dies hat­te zur Fol­ge, zuge­ge­ben, zu unse­rer Ver­wun­de­rung, dass wir auf die Approach Fre­quenz von Essa „ent­las­sen“ wur­den. Wir stell­ten uns, so weit weg vom Platz dar­auf ein, zunächst, ähn­lich wie in Spa­ni­en (schließ­lich sind wir in Afri­ka!), kei­nen Funk­kon­takt zu erhal­ten. Aber nichts da – in freund­lichs­tem und best­ver­ständ­li­chem Eng­lisch teil­te uns die Con­trol­lerin mit, wir mögen doch bit­te „at own dis­cre­ti­on“ sin­ken und „40 miles out“ zu mel­den. Aber ger­ne doch.
Der Gegen­wind kam nun etwas mehr von der Sei­te und so näher­ten wir uns unse­rem Ziel mit 160 Kno­ten ground­speed ver­gleichs­wei­se zügig. In der Fer­ne ver­moch­ten wir inzwi­schen den Atlan­tik aus­zu­ma­chen, die tief­ste­hen­de Son­ne glit­zer­te in sanf­ten, war­men Far­ben auf der tief­blau­en Was­ser­ober­flä­che. Die (posi­ti­ve) Auf­re­gung im Cock­pit stieg. Die Land­schaft war so anders, als wir sie aus Euro­pa ken­nen – brau­ner Sand, tro­cken, wenig Bewuchs, klei­ne Dör­fer mit ärm­lich wir­ken­den Lehm­hüt­ten, daher zie­hen­de Schaf­sher­den – wir waren in Afri­ka, tat­säch­lich.

Afrika — nur wenige Flugstunden von Europa entfernt, und doch so anders!

Wir kämpf­ten uns gegen die Böen von unten, links und rechts wei­ter der Lan­de­bahn ent­ge­gen. Das Fahr­werk war aus­ge­fah­ren, die Klap­pen auf 20° und ich flog mit etwas höhe­rer Geschwin­dig­keit Leis­tung als sonst an. Wenn­gleich böig, so reich­te das Hän­gen­las­sen der Flä­che in den Wind aus, um den Sei­ten­wind zu kom­pen­sie­ren und einen ver­gleichs­wei­se sta­bi­len Anflug hin­zu­be­kom­men.
Noch 30 Sekun­den bis zum Touch­down und ich ver­ge­gen­wär­tig­te mir, dass es nicht dar­um ging, schön, son­dern hei­le zu lan­den. Also, kein aus­schwe­ben, son­dern die Bon­nie posi­tiv auf die Bahn „set­zen“ – auch wenn das bedeu­te­te, dass sie mir ein paar Tage bösen sein wür­de – dafür hät­te ich, eine geglück­te Lan­dung vor­aus­ge­setzt, einen zufrie­de­nen Copi­lo­ten an mei­ner Sei­te – nicht ganz außer Acht zu las­sen.
Auch die letz­ten Meter in ther­mi­gen Böen ver­lie­fen gut. Wir über­flo­gen die Schwel­le und mach­ten wie geplant kei­ner­lei Anstal­ten, die Bon­nie schwe­ben zu las­sen. Mit einem deut­li­chen Stoß setz­te das Haupt­fahr­werk auf, das Bug­rad unmit­tel­bar fol­gend – und dann war es geschafft, Bon­nie hat­te das ers­te Mal in Ihrem lan­gen Flug­zeug­da­sein afri­ka­ni­schen Asphalt und den Rädern – wir waren stolz, stolz auf sie und auch stolz auf uns. Und gespannt, was uns in dem Land aus 1001 und einer Nacht, erwar­ten wür­de. Schau­er­ge­schich­ten von Kri­mi­na­li­tät, Abzo­cke und Will­kür an jeder Ecke, Avgas­prei­se von 5 Euro pro Liter und mehr, hat­ten wir wäh­rend der Vor­be­rei­tung unse­rer Rei­se zu genü­ge hören dür­fen – meist von Men­schen, die vor­nehm­lich die Hori­zon­te der hei­mi­schen Dorf­gren­zen inten­siv erforsch­ten.
Wir für unse­ren Teil waren zwar müde, aber freu­dig erregt auf das, was noch kom­men wür­de…
Wir roll­ten von der Pis­te und Rich­tung Vor­feld. Dreh­ten die Maschi­ne wie von der Con­trol­lerin gewünscht und sahen aus dem Augen­win­kel, wie sich eine recht beacht­li­che For­ma­ti­on uni­for­mier­ten Per­so­nen auf den Weg zu unse­rem Flug­zeug mach­te – Gewehr­läu­fe glit­zer­ten in der Son­ne…

4K/VR-Video — Anflug auf Essaouira Mogador Airport in Marokko, bei recht starkem Wind mit ca. 70 km/h aus verschiedenen Richtungen!

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Wir haben es tatsächlich geschafft — mit unserer Bonnie bis nach Südwest-Marokko; und das ist erst der Anfang!

3.500 km von zu Hause entfernt, steht unsere Bonnie einsam und verlassen in Essaouira auf dem Vorfeld — wir werden sie die kommenden Tage vermissen!

Ein langer Flugtag neigt sich dem Ende — ein von unzähligen, unvorstellbar schönen Sonnenuntergängen an der marokkanischen Atlantikküste.

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